Bautzen

Sanierungsarbeiten am Reichenturm sind abgeschlossen

15.04.2017 von LN

In seiner Sitzung am 23. März 2016 gab der Stadtrat grünes Licht für erneute dringend notwendige Arbeiten. Der Reichenturm wies 25 Jahre nach der letzten Sanierung Verschleiß- und Abwitterungsschäden auf, die nun zwingend beseitigt werden mussten. Außerdem sollte der Putz des Turmes so angestrichen werden, wie es seitens der Denkmalpflege bereits in den 50er Jahren empfohlen wurde. Durch umfangreiche Begehungen, Begutachtungen und Abstimmungen mit den Verantwortlichen der Stadt wurde vom Planungsbüro eine umfangreiche und auf akribischen Detailuntersuchungen beruhende Planungsunterlage eingereicht.

Zunächst musste der Turm aufwändig eingerüstet werden. Dann erfolgten Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk und am Putz. Die Holzbalkendecke in der obersten Ebene der Turmhaube wurde komplett erneuert, ebenso wie die Dielung über der Aussichtsebene. Neu sind nun auch der Zugang zur Steigleiter sowie die Durchgänge für das Lotpendel und die Regenwasserableitung. Um erneute Schimmelbildung in der Turmhaube künftig zu vermeiden, musste diese mit einer Durchlüftung versehen werden. An der Natursteinhaube sind Risse, lockere Fugen und stark verrostete Stahlbauteile ausgetauscht. Leider nur aus der Ferne gut zu sehen ist die neue Verbleiung der Turmhaube. Damit wurde eine denkmalgerechte und dauerhafte Lösung gefunden, die auch bei den kleineren Simsen und Vorsprüngen oder Vouten Anwendung fand. Die 4 verrotteten Rundfenster in den Gauben der Turmhaube wurden ausgetauscht, die Anstriche der anderen Fenster erneuert. Auf der Aussichtsplattform wurden die Geländer repariert und Vorkehrungen für Sonderinstallationen, wie einen beleuchteten Weihnachtsstern vorgenommen. Besonders augenfällig ist der komplette Neuanstrich von Turmschaft und den angrenzenden Gebäuden. Auch in der Türmerstube gab es Veränderungen. So erhielt die Pächterin beispielsweise eine komplett neu eingerichtete Küche. 

Wegen des Stadtfestes „Bautzener Frühling“ wurde der Baustart auf die ersten Juniwochen 2016 festgelegt. Am 13. April 2017, einen Tag vor dem Osterfest, nahm die Türmerin wieder ihren Dienst auf. Aus diesem Anlass überreichte ihr die Bürgermeisterin für Bauwesen Juliane Naumann einen symbolischen Goldenen Schlüssel.

Insgesamt kosteten die Maßnahmen 382.860 Euro. Fördermittel kamen im Rahmen der Städtebauförderung von der Sächsischen Aufbaubank in Höhe von 161.160 Euro. Die Förderung für den Reichenturm erfolgte aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“. Zur weiteren Deckung der nicht förderfähigen Kosten und des städtischen Eigenanteils standen weitere finanzielle Mittel aus dem Altstadtkonto in Höhe von 102.000 Euro zur Verfügung. Dieses Konto wurde 1990 von den Bautzener Bürgern für Spenden zum Erhalt und der Wiederherstellung der historisch wertvollen Bausubstanz eingerichtet. Seit 1993 wird dieses Konto mit Stadtratsbeschluss weitergeführt und das Guthaben für das ursprüngliche Anliegen zweckgebunden genutzt.


In den Folgetagen sind noch einige Restarbeiten nötig. So muss der Anbau mit der öffentlichen Toilette noch den endgültigen Farbanstrich bekommen und an der Südseite wird noch ein großer Innenstadtplan angebracht. Bereits beauftragt aber noch nicht terminiert ist eine Neuvermessung des Reichenturms. Es ist aber davon auszugehen, dass er unverändert 1,44 Meter aus dem Lot steht.

Bautzens „Schiefer“

Der Reichenturm zählt zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt und prägt das mittelalterliche Stadtbild besonders stark. Beim Ausbau der inneren Stadtbefestigung im 14./15. Jahrhundert entstand 1490/92 der untere Teil des Turmes. Im jetzigen Erscheinungsbild wurde er 1715/18 mit dem steinernen Barockaufsatz nach einem Entwurf von Johann Christoph Naumann errichtet. Zuvor hatte der „Schiefe“ eine hölzerne Haube, die jedoch mehrfach erneuert werden musste und letztlich einem Feuer zum Opfer fiel. Später stellte sich heraus, dass die Gründung für das jetzige Gewicht des Turmes zu gering war. 1953/54 erfuhr der 3.200 Tonnen schwere Turm eine Fundamentbefestigung, da er nur 80 cm tief begründet war und der sich verstärkenden Neigung von 1,41 m Einhalt geboten werden musste.

Nach der Wende erfolgte in den Jahren 1992 und 93 eine dringend notwendige umfassende Sanierung des Turmes. Es erfolgte eine vollständige Einrüstung des Turmes. Der Außenputz wurde in allen Bereichen komplett erneuert und Rissbereiche injiziert. Im Bereich des Aufsatzes erfolgten umfangreiche Arbeiten. Die 4 Sandsteinwappen erhielten spezielle Stahlverankerungen und wurden nach historischen Vorgaben farblich behandelt.